Apfel Schmied – Schwertjunker

Apfel Schmied
Ich bin ein Narr, dass ich, was war, hier niederschreibe.
Ein Schuft, der’s liest, hackt mir das Leben aus dem Leibe.
Doch schreiben muss ich’s, dass ich bei Verstande bleibe.

Geboren bin ich edel in ein edles Reich –
des Reiches Name bleibt sich wie der meine gleich.
Ich war der ersten königlichen Amme Sohn.
Der Vater stand als erster Mundschenk nah am Thron.

Das Reich war groß und blühte dank der Königin.
In Kunst und Bildung sah sie ewigen Gewinn.
Die Bücherei am Hofe schien mir wunderbar.
Wie liebte ich den alten, scheuen Archivar.

Dann kam der Krieg. Und alles welkte und verdarb.
Der Tod war überall, und lachte, bis man starb.
Den Archivar nur retteten die weißen Haare.
In seinen Bücherkellern barg er mich drei Jahre.

Doch als ich vierzehn war, schlug ihn ein Söldner nieder.
Von fern fuhr mir der Schrei des Mentors in die Glieder.
Ich eilte hin und griff mir eine Vorhangstange
und schlug den Söldner tot, es dauerte nicht lange.

Ich floh, das Söldnerblut noch warm von meiner Tat.
Der Meister blieb – so sehr ich flehte, schluchzte, bat.
Als schuldig an dem Morde wurde er verbrannt,
und seine Bücher auch, und jedes Buch im Land.

Ich sah die Sommer wiederkehren wie den Winterschnee,
Sah Hunger, Kälte, Fieber – nichts davon tat weh.
In meiner Brust sang keine Seele mehr ihr Lied.
Mein Leben war so nichtig, dass der Tod mich mied.

Wohin des Weges, Wanderer, wenn du nichts suchst?
Wenn du nur Asche schmeckst, bis du dem Leben fluchst?
Der Meister ahnte wohl, dass ich verloren war,
wenn er mich nicht mit einer großen Pflicht versah.

Zum Abschied hatte er mir auf den Weg gegeben,
dass alles, was geschieht in jedem unsrer Leben,
genau so elend wie bedeutsam werden kann,
erkennt man es als dieses oder jenes an.

Ein Reich befinde sich in blutbefleckten Trümmern,
was immer es erreichte, drohe zu verkümmern.
Doch nur ein Wort genüge und die alte Pracht
erwache – Wahrheit werde durch das Wort erdacht.

Ich solle allen Völkern schildern, was geschah,
Denn was erzählt wird, wird bedeutsam und wird wahr.
So sprach der Meister einst, und ich in meiner Not
gehorchte und bezwang das Leben wie den Tod.